Janw.xyz

Jack of all trades and a master of some

Das Ende des optischen Laufwerks?

Vor einigen Tagen hat Apple den Mac mini ein wenig aufgefrischt. Er bekam neue Prozessoren und einen Thunderbolt-Port. Doch wurde bei der Aktualisierung auch das optische Laufwerk entfernt. Ein gewagter Schritt, könnte man meinen. Doch brauchen wir überhaupt noch ein DVD-Laufwerk?

Für viele Jahre war es selbstverständlich, dass jeder Rechner am Markt ein optisches Laufwerk hat. Es war so problemlos möglich alle Daten des täglichen und auch nichttäglichen Gebrauchs auf CDs oder DVDs auszuliefern – Bilder, Filme, Software, Musik; alles bekommt man auf kleinen Silberscheiben. Seit einiger Zeit kämpft Apple allerdings gegen diesen Status Quo. Das fällt zunächst nicht besonders auf, weil ein so radikaler Schritt, wie das Weglassen der bloßen Möglichkeit zum Abspielen von CDs, bis jetzt noch nicht vollzogen wurde. Doch die Vorbereitungen dafür trifft Apple im Grunde schon seit 2003, seit der Eröffnung des iTunes Store.

2010, also sieben Jahre nach der Eröffnung, gab Apple bekannt, dass 10 Milliarden Musikstücke heruntergeladen wurden. Der iTunes Store ist der größte Musikhandel der Welt, es wird also weit mehr Musik online gekauft und heruntergeladen als auf CDs verkauft und das merke auch ich als Musikliebhaber an meinem eigenen Kaufverhalten. Zwar neige ich mittlerweile wieder dazu CDs zu kaufen und in iTunes zu rippen, um mir der besseren und nicht komprimierten Klangqualität sicher sein zu können. Doch in den letzten Jahren habe ich selbst mehrere hundert Euro im iTunes Store ausgegeben und wenn ich gerne schnell ein Album haben möchte, kaufe ich es nicht im MediaMarkt oder bei Amazon, sondern bei Apple. Gerade heute liegt so zum Beispiel mein letzter CD-Kauf bereits einige Wochen zurück – der letzte Download aus dem iTunes Store nur zwei Tage. Es ist einfach angenehm einen einzigen Button zu drücken und dann die Musik genießen zu können.

Seit 2005 bietet Apple auch Fernsehserien, und seit 2006 auch Spielfilme im iTunes Store an. Das zunächst kleine Angebot wurde stetig größer und bald auch auf den deutschen Markt erweitert. Ab 2009 lassen sich Filme dann auch für kleines Geld ausleihen und sind in 720p High-Definition verfügbar. Man muss nun also auch keine DVDs mehr erwerben, sondern kauft stattdessen die digitale Kopie des gewünschten Streifens im iTunes Store. Für Enthusiasten ist dies sicher – wie bei den Musik-CDs – auch nichts, weil die Qualität deutlich unter der einer Blu-Ray liegt. Doch mit der Blu-Ray ist man bei Apple sowieso falsch – der konsequente Verzicht auf Blu-Ray Datenträger basiert auf dem gleichen Kalkül wie es nun beim Verzicht auf das optische Laufwerk an sich der Fall ist.

Was deutlich wird: Bei Apple versucht man alle Anwendungsgebiete von optischen Datenträgern über andere Medien abzuwickeln. Jüngst hat Apple einen weiteren Nutzbereich von CDs „in die Cloud“ verlegt. Zwar ist es schon seit Ewigkeiten möglich Software im Internet zu erwerben. Doch mit dem Mac App Store baut Apple ein einheitliches Geschäft, in dem der Nutzer bequem kleine wie auch große Programme kaufen kann. Und am eigenen Angebot macht Apple deutlich wie das aussehen kann: Programme wie zum Beispiel Aperture oder Final Cut Pro werden mit einem deutlichen Rabatt gegenüber der CD im Karton angeboten und die Wahl des digitalen Verkaufs liegt dadurch näher denn je. Den größten Coup machte Apple vor einigen Tagen mit OS X Lion, das nur noch über den Mac App Store vertrieben werden soll. Es ist also selbst für Betriebssystem-Upgrades nicht mehr nötig eine DVD ins Laufwerk zu schieben.

Nimmt man Musik, Film und Software zusammen sind bereits die größten Einsatzgebiete von CDs und DVDs abgedeckt und erfolgreich ausgelagert. Die Anschaffungen lassen sich äußerst bequem über eine Internetverbindung abwickeln und es ist nicht mehr nötig optische Medien zum Transport der Daten zu verwenden. Bei entsprechend guter Leitung ist dies auch vollkommen schmerzfrei und selbst bei großen Programmen wie z.B. Lion sind stundenlange Downloads wohl ertragbar – das macht man schließlich nur ein Mal.

Was bleibt ist der persönliche Gebrauch von optischen Medien zum Datentransport, der aber ebenfalls immer weiter an Relevanz verliert. Früher war es für mich üblich Daten auf CDs zu brennen, um sie an Freunde zu geben. Auch Backups z.B. meiner iTunes Musiksammlung habe ich auf DVDs gebrannt (die bauartbedingt aber wohl anfälliger für den Datenverlust waren als die eigentliche Sammlung auf der Festplatte). Den häufigsten Einsatz hatten selbstgebrannte CDs wohl im Autoradio, das damals immerhin einen CD-Spieler hatte für den so manche Mix-CD erstellt wurde.

Heute transportiere ich die meisten Daten per USB-Stick. Das geht schnell und unkompliziert und bietet zudem deutlich mehr Platz. Mein USB-Stick besitzt 8GB Speicher und somit fast doppelt so viel wie eine Singlelayer-DVD. Auch das Autoradio hat mittlerweile einen USB-Anschluss, der sich oft sogar auch mit einem iPod versteht, was das zusätzliche Kopieren von Musik auf einen Stick auch noch überflüssig macht. Es müssen sich also keine CDs mehr im Handschuhfach stapeln, wohlmöglich auch noch ohne Hülle oder gar Beschriftung. Die CDs können zudem in der Regel nicht wieder verwendet werden, es sei denn sie sind wiederbeschreibbar. Doch selbst dann hat sie eine sehr beschränkte Lebensdauer und ist höchstens 1000 Mal löschbar – wenn sie die Zeit überhaupt ohne große Kratzer übersteht.

Die hohe Anfälligkeit für physische Schäden sind ein weiteres Manko von optischen Medien. Sie müssen ständig mit besonderer Vorsicht behandelt und in einer Hülle transportiert werden, um die Daten zu schützen. Schon ein etwas tieferer Kratzer kann diese unwiederbringlich ins Nirvana schicken. Ein USB-Medium ist da wesentlich robuster, lässt sich leicht am Schlüsselbund in der Hosentasche tragen und behält die Daten dank Flash-Speicher für alle Ewigkeiten.

Ganz rational betrachtet sind optische Medien somit am Ende ihres Nutzens. Sie sind unpraktisch, unhandlich und längst durch andere Technologien obsolet geworden. Das letzte Mal, dass ich eine CD verwende